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Ortsteil Weggun


Ortsvorsteher:

Telefon: 039855 / 3055

Holger Tauchert

Weggun
Fürstenauer Straße 18
17291 Nordwestuckermark


Von 1964 bis 1997 bildeten die Dörfer Parmen, Warbende und Weggun die Gemeinde Parmen-Weggun. Am 1.12.1997 erfolgte die Fusion mit der Gemeinde Arendsee. Bis zur Bildung der Gemeinde Nordwestuckermark am 1.11.2001 tragen die nun dazugehörenden Orte Parmen, Weggun, Warbende, Arendsee und Raakow den Gemeindenamen Weggun.
Die Herkunft des Namens Parmen lässt sich aus verschiedenen slawischen Sprachen deuten. Im Altslawischen heißt pramu - Schiff, Fähre. Man kann auch vom Altslawischen Pramen ableiten, das Faden, Quelle, Strahl oder Sprudel heißen kann. Die Lage an dem großen Tal, in dem der Parmensee liegt und durch das dann weiter der Quillow fließt, findet für beide Bedeutungen einen Sinn. Urkundlich wurde Parmen erstmals 1375 erwähnt. Zu dieser Zeit hatte sich hier schon ein Ritter festgesetzt. Nach 1375 soll Parmen bald ganz „wüst" gewesen sein und wurde erst Anfang des 16. Jahrhunderts wieder neu aufgebaut. 1736 ließ Karl Christoph von Fronhoefer eine Glocke gießen, die sich noch heute in der Parmener Kirche befindet. Parmen entwickelte sich zu einem reichen Gutsdorf. 1856 wurde der Wald zwischen Parmen und Arendsee abgeholzt, später in der Größe von 200 Morgen wieder mit Kiefern aufgeforstet. Für die Aufsiedlung des Ortes 1930 musste der Wald jedoch erneut weichen. Wie die bis nachweislich 1758 zu Parmen gehörenden Seen (Kleiner und Großer Parmensee) an die Gemarkung Fürstenwerder fallen konnten, ist nicht nachweisbar. Hat der Reichsgraf von Schwerin, begünstigt durch die häufigen Wechsel des Parmer Gutes seine Herrschaft zielstrebig ständig weiter ausgedehnt, oder hat es sich so zugetragen, wie folgende Sage es beschreibt:

Für Anhänger des Motorsports ist Parmen eine bekannte Adresse. Jährlich zieht der 1974 gegründete MSC Parmen mit zwei Motocrossrennen viele hundert Besucher an. Die Rennstrecke liegt zwischen Parmen und dem Waldstück Kiecker landschaftlich so schön, dass sie schon ohne Rennen eine Augenweide ist. Auch die Frauenfußballmannschaft der SV Arendsee hat sich über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen gemacht.
Neben zwei Agrarbetrieben hat die MMC Retzlaff GmbH und Co KG in Parmen ihren Sitz. Die Metallbaufirma gehört mit zu den größten Arbeitgebern im Landkreis.
Am Rande der Feldberg-Lychener-Seenlandschaft liegen die Orte Arendsee und Raakow. Wald und schöne Seen in unmittelbarer Nähe laden zu ausgiebigen Spaziergängen und Radtouren ein. Ähnlich vieler anderer Ortschaften der Gemeinde Nordwestuckermark findet das Dorf Ende des 13. Jahrhunderts seine erste urkundliche Erwähnung, indem 1289 die Bezeichnung „Dominus Johannes de Arnesse" auftaucht, wobei der Ortsname auf die am Wasser, den heutigen Haussee, befindliche Lage hinweist. Vor 1305 befand sich hier der Wohnhof des Henning von Bentz. 1491 ist der Ort bereits verfallen.

Vor vielen Jahren, als der Große Parmensee noch zu Parmen gehörte, haben sich einmal Graf von Arnim, der Besitzer von Parmen war, und der Graf Schwerin, der der Grundherr von Fürstenwerder war, am Parmener See getroffen. Der Graf Schwerin wollte gern den See besitzen. Es gelang ihm, den Grafen Arnim zu einer Wette zu überreden. Wer an einem bestimmten Tage der erste am See ist und die heißeste Tasse Kaffee mitbringt, der sollte den See haben. Der Graf von Arnim ging darauf ein. Er glaubte seiner Sache sicher zu sein, denn er wohnte ja näher am See als der andere. Als es nun an jenem Morgen gerade hell wurde, kam Graf von Arnim mit einer Tasse Kaffee an. Graf Schwerin war aber schon da. Er hatte sich über Nacht im Rohr des Sees eingenistet, am Morgen ein Feuer daselbst gemacht und den Kaffee an Ort und Stelle gekocht. Als nun Graf von Arnim herankam, trat der andere Graf mit seiner dampfenden Tasse Kaffee aus dem Rohr. Natürlich war sein Kaffee heißer als der seines Gegners. Und so bekam Graf Schwerin den See. Darum wird auch heute noch oft gesagt. „Graf Schwerin hat den Parmener See für eine Tasse Kaffee gewonnen. "


Weggun fand seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1331. Sachverständige leiten den Namen vom slawischen Wort vygoni oder vom polnischen Wort wygon ab. Sein eigentlicher Besitzer dürfte 1375 das Nonnenkloster in Boitzenburg gewesen sein. Als typisches Straßendorf entwickelte sich Weggun zu einem reinen Bauerndorf. Die 1913 erbaute Eisenbahnlinie Weggun-Fürstenwerder fiel bereits 1945 wieder dem Abriss zum Opfer. Inmitten des; Ortes steht die 1832 erbaute Kirche, die den schinkelschen Einfluss erkennen lässt. Sie wurde 1991 umfangreich restauriert, so dass sie sich heute im alten neuen Glanz darstellt. Ihre Inneneinrichtung ist bereits 170 Jahre alt. Nur 3 km nordwestlich von Parmen liegt Warbende, dessen Gründung im Zuge der deutschen Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert erfolgte. Aber schon 1375 hieß es, dass hier sämtliche 18 Hufe „wüst'' lagen.

Nur Ruinen der Feldsteinkirche künden noch von einer Besiedlung in früheren Zeiten. Trotzig stellen sich Westgiebel und Ostwand auf dem heutigen Friedhof Wind und Wetter, aber auch jahrhundertealtem Baumwuchs entgegen.
Über einen Zeitraum von 200 Jahren taucht die wüste Feldmark Arendsee nur als Jagd- und Weidwerk des Hauses Boitzenburg auf. Vom Rittergut Schönermark aus wird 1726 in Arendsee ein Vorwerk angelegt. Seine Prägung erhielt der Ort später durch die Familie von Schlippenbach, die seit 1688 Besitzrechte an Arendsee hatte. Die Gutsanlage hat auch heute noch einen dorfbildprägenden Charakter. Nach den Plänen des Architekten Stüler entstand von 1839-43 das Schloss, das sich malerisch in einem parkähnlichen Gelände gelegen, unmittelbar an den See anschmiegt. Die Anlage des Parks und nachweislich mehrfache Besuche Lennés im Schloss lassen darauf schließen, dass der bedeutende Gartenplaner wertvolle Anregungen für die Gestaltung gegeben hat. Heute stehen das Schloss und der Park unter Denkmalschutz, reizvolle Pfade laden zu Spaziergängen ein. Über 50 Jahre wurden in dem Gebäude Schüler unterrichtet, erst 2001 erfolgte die Einstellung des Schulbetriebes.

Mehrfache Versuche einer Ansiedlung scheiterten. 1834 kaufte August Alexander Springfeld Warbende. Er ließ einen Park im Lennestil anlegen, der aus kulturhistorischer Sicht sehr bemerkenswert ist. Ein Nebeneinander von barocker Gartenkunst und englischer Parklandschaft prägt diesen Park. Seine Besonderheiten sind unter Naturschutz stehende Bäume wie eine Gurkenmagnolie, Taxussäulen, eine Blutbuche, Trauereschen und ein Tulpenbaum. Aber auch eine schlitzblättrige Buche ist hier zu finden. Ein Teil ihrer Äste weist geschlitzte, ein anderer Teil gewöhnliche Buchenblätter auf. Im Innern der Krone hat man Zweige mit beiden Blattarten entdeckt. 1870 übernahm die Familie Zarnikow das Gut. Es wurde erforderlich, das abfällige Gelände des Parkes zum Gutshof hin durch eine starke Mauer zu begrenzen, die z.T. heute noch sichtbar ist. Obenauf ließ er abgebrochene Türmchen mit ihren Schießscharten setzen, was die Vermutung aufkommen ließ, er sei ein Romantiker mit Rückblick auf das mittelalterliche Rittertum.
Erholungssuchenden wird eine Radtour auf der uralten Lindenallee, auch „Heeres- oder Handelsstraße" genannt, empfohlen. Sie verläuft von Weggun nach Boitzenburg und soll ursprünglich bis Berlin geführt haben. Zu erwähnen ist auch der Petznicksee, der inmitten des Waldes (Zerweliner Forst) liegt und kristallklares Wasser führt. Zu einem interessanten Erlebnis der ganz anderen Art kann eine Kräuterwanderung mit Verkostung werden. Diese führt Andrea Tietz aus Parmen bereits seit 1999 durch. Aber nicht nur das, die Kräuter werden auch zu Tees, Gelees, Sirupe, Wein u. a. verarbeitet und in ihrem Hofladen zum Verkauf angeboten. Daneben befindet sich ein kleines Cafe, in dem die Gäste bei selbstgebackenem Kuchen und duftendem Kaffee oder aber einem Kräuterdrink fachsimpeln und in der Kräuterbibliothek nachschlagen können.
Raakow wird bereits 1375 im Landbuch Kaiser Karl des Großen erwähnt. Nach mehr als dreihundertjährigem Brachliegen taucht es zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Schäferei, wenig später als Vorwerk, wieder auf, eine Ansiedlung erfolgte. Bis 1928 nahm es eine eigenständige Entwicklung und wurde dann mit dem Gutsbezirk Arendsee zur Gemeinde Arendsee vereinigt.


Die Unschuldslinde bei Arendsee


Zwischen dem Steinsee und dem Dorf Arendsee steht noch heute eine alte Linde, deren Kronenbildung so außergewöhnlich ist, dass sie auffallen muss.
Einmal fand man im Wald bei Arendsee einen Schäferknecht, der durch Mörderhand gefallen war. In Verdacht kam ein Junker vom Schloss Arendsee. Er sollte seinen Knecht aus Eifersucht getötet haben. Der Junker beteuerte seine Unschuld, aber alle Anzeichen sprachen gegen ihn. So wurde er schließlich zum Tode verurteilt und sollte durch Henkershand sterben. Weil der Junker seine Unschuld abermals beteuerte, hob der Fürst das Todesurteil auf. Ein Gottesurteil sollte entscheiden. Der Beschuldigte musste eine junge Linde aus dem Boden nehmen und umgekehrt, mit den Wurzeln nach oben, an der Stelle einpflanzen, wo man den Ermordeten gefunden hatte. Würde die Linde wachsen, so sei der Junker unschuldig. Es geschah - die Linde wurde verkehrt herum eingepflanzt und wuchs, obwohl niemand sie begießen und pflegen durfte. Aus den Zweigen wurden Wurzeln, und aus den alten Wurzeln bildeten sich Zweige mit Knospen und Blättern. Zwar gedieh sie zuerst nur kümmerlich, aber sie war gewachsen und steht noch heute. Der Sage nach als Beweis für des Junkers Unschuld. An den sonderbaren Ästen und Zacken aber kann man erkennen, dass es früher wirklich Wurzeln waren.

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